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100 JAHRE DEUTSCHE GOLFGESCHICHTE
100 Jahre Deutscher Golfverband - 100 Jahre Golf in Deutschland! Das wäre eine schöne Schlagzeile, aber sie stimmt natürlich nicht. Zwar gehört Deutschland nicht zu den Nationen, die sich um die Ehre streiten, Erfinder dieses schönen Spiels zu sein, aber angelsächsiche Besucher brachten den Sport bereits im 19. Jahrhundert nach Deutschland. Bald gehörte es in der besseren Gesellschaft zum guten Ton, während einer Landpartie zu golfen. Während die Honoratioren auf gepflegten Rasenflächen wandelten, erfanden parallel dazu Realschüler und Gymnasiasten rund um Bad Cannstatt ganz ohne Hilfe ihrer Erzieher auf den vom Frühjahrshochwasser freigegebenen Neckarufern das, was wir heute modisch „Cross-Golf“ nennen. Die Pennäler hatten Spass, ganz besonders, wenn es zu einem mißlungenen Schlag des anderen kam. Ein Chronist jener Zeit, Philipp Heineken berichtet, dass die Jugendlichen nicht lange ungestört blieben. Schäfer beklagten die Zerstörung ihrer Weidegründe und das unwürdige „Sauspiel“. Ein Professor geiselte gar in einer Flugschrift die „affenartige Bewegung“ und erkannte mangelnde Disziplin. Die Verteufelung der britischen Rasenspiele fiel im zunehmend nationalistisch gesinnten Deutschland auf fruchtbaren Boden.
Die „bedauerlichste Fehlentwicklung des größten Teiles eines Golf-Jahrhunderts“ nennen Volker Mehnert und Prof. Dr. Dietrich R. Quanz, Leiter des Deutschen Golfarchivs in Köln die darauf folgende Reduzierung des Golfsports auf eine Freizeitbeschäftigung für gut betuchte ältere Herrschaften. Das sportliche Element und die Einbeziehung der Jugend wurde für viele Jahrzehnte vernachlässigt. Die Wende setzte erst ein, als der 17jährige Bernhard Langer als Profi eine in Deutschland beispiellose Karriere startete. Langer stößt eine lange überfällige Entwicklung an: durch das aufgrund seiner internationalen Erfolge große öffentliche Interesse wandelt sich Golf langsam von einer Randsportart zu einer Trendsportart mit hohen Zuwachsraten. Letztlich entstehen aus diesem Prozess heraus eine Vielzahl von Ideen und Angebote zur Popularisierung des Golfsports sowie die Initiative „Abschlag Schule“. Dadurch hat vor Jahren der Golfsport seinen Einzug in die Schulen und Ausbildungsstätten für die Jugend gehalten und ist weiterhin auf dem Vormarsch. Was Schüler aus Bad Cannstatt vor 100 Jahren privat initiiert haben, ist heute fester Bestandteil im Programm der Schulen und der Golfvereine. Die nationale Wettkampfserie um den „Pokal Abschlag Schule“ findet großen Anklang bei 500 Schulen, die sich alljährlich an diesem Turnier beteiligen. Das erste Bundesfinale findet am 19. Mai 2007 in Hamburg statt, zeitgleich mit dem Bundesfinale zur Jubiläumsturnierserie des DGV im Hamburger Golfclub Falkenstein.
Wo nun der Ursprung des Golfens liegt, darüber wird heutzutage nicht mehr gestritten. Die Schotten hätten es natürlich gern, wenn der Myhtos vom Ursprung des Golfspiels in ihrem Land weiterhin Bestand hätte, aber die auch anderswo liebgewonnene Story hält einer genaueren Prüfung längst nicht mehr Stand. Golf, in welcher Form auch immer, mag schon vor fünf Jahrhunderten in Schottland praktiziert worden sein, doch die Ursprünge des Spiels liegen früher und anderswo: in den Niederlanden war es offenbar bereits mindestens seit Mitte des 15. Jahrhunderts bekannt. Golfen ist mittlerweile die weltweit drittstärkste Ballsportart. In Europa hinkt der Deutsche Golfsport mit seiner Popularität zwar hinterher, holt aber Jahr für Jahr gegenüber den Nachbarländern auf. Als 1907 der Deutsche Golfverband in Hamburg gegründet wurde, gab es acht Mitgliedsvereine mit insgesamt 762 Golfspielern. Daraus sind heute 740 Mitglieder mit weit über 500.000 organisierten Golfspielern geworden. Weitere über 100.000 Golfer, wird geschätzt, spielen ohne deutsche Vereinsanbindung Golf. In 2006 haben die deutschen Golfanlagen 60.000 neue Golfer gewonnen. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten damals der Bremer Verein „Club zur Vahr“, „Hamburger Golfclub“, „Golfclub Wendtorf-Reinbek“, „Golfclub Kitzeberg“ in der Nähe von Kiel, „Berlin Golfclub“, „Golfclub Gaschwitz“, „Baden Baden Golfclub“, „Golfclub Homburg v. d. H.“. In den vergangenen 10 Jahren kam Schwung in die Entwicklung des deutschen Golfsports, die Zahl der Golfspieler hat sich in dieser Zeit verdoppelt. Ein Ende ist kaum in Sicht. Das wachsende Potenzial der Golfinteressierten in Deutschland wird derzeit auf rund 3 Mio. taxiert.
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